Gesundheit und Soziales

Dramatische Situation in den Kliniken

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Dramatische Situation in den Kliniken

Ausnahmezustand darf nicht Normalzustand werden - keine Steuerung der Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung auf Grundlage der Intensivkapazitäten
Corona-Maske Pixabay ver.di zur dramatischen Situation in den Kliniken  – Corona-Maske


Die Beschäftigten der Kliniken in Baden- Württemberg erneuern heute ihren Appell an die Politik und ihre Arbeitgeber, endlich nachhaltige Maßnahmen zu ergreifen, um die dramatische Situation auf Normal- und Intensivstationen abzuwenden.

Lena Mayr, Personalratsvorsitzende am Uniklinikum Tübingen: „Der Ausnahmezustand der letzten 13 Monate darf nicht zum neuen Normalzustand werden. Auch grundlegende Arbeitsschutzvorschriften werden immer noch oder wieder nicht erfüllt. Maskentragepausen, vor allem in den besonders belasteten Bereichen, können nicht eingehalten werden. In anderen Bereichen werden FFP2-Masken dem Personal nur widerwillig bereitgestellt. Die Belastung durch die tägliche Arbeit hat sich dramatisch verschärft. Muss-Regeln im Arbeitsschutz dürfen im Klinik-Alltag unter Handlungsdruck nicht zur Kann-Regelung mutieren.“

ver.di fordert die Politik vor allem auf, die Steuerung der Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung nicht länger mit den Intensivkapazitäten bzw. -betten zu begründen. Diese seien auch nach Expertenmeinung kein geeigneter Indikator zur Ergreifung adäquater Maßnahmen, da die Belegungszahlen den Infektionszahlen erst mit mehrwöchiger Latenz folgten.

Irene Gölz, ver.di-Landesfachbereichsleiterin Gesundheit und Soziales: „85 Prozent Belegung heißt nicht, dass noch 15 Prozent der Betten mit optimaler Therapiemöglichkeit bereitstehen. Zudem fehlt immer häufiger qualifiziertes wie auch erfahrenes Personal, besonders im intensivmedizinischen Bereich. Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten inzwischen völlig mit dem Rücken zur Wand. Wir müssen jetzt so steuern, dass die Beschäftigten uns noch helfen können, wenn wir als Notfall in die Klinik eingeliefert werden. Durch die Mutante hat sich die Lage auf den Stationen nochmals verschärft: Jeder zweite beatmete Patient überlebt die Krankheit nicht.“