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600 Streikende

Tarifrunde Einzelhandel BaWü 2019

600 Streikende

600 Streikende vor der Kauflandzentrale in Neckarsulm

Der Tarifkonflikt im baden-württembergischen Einzelhandel spitzt sich zu. Heute versammelten sich 600 Streikende von Kaufland-Betrieben aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Südhessen vor der Konzernzentrale von Kaufland in Neckarsulm. Sie demonstrierten für kräftige Tariferhöhungen und ein baldiges Ende des Tarifkonfliktes.

Unterstützt wurden die Demonstranten u. a. von der ver.di-Bundesfachbereichsleiterin Handel/ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger, die die Arbeitgeber scharf dafür kritisierte, dass sie in der laufenden Tarifauseinandersetzung bundesweit, in sämtlichen Tarifbezirken bislang nur Angebote unterhalb der Preissteigerungsrate vorgelegt haben – und dies angesichts anhaltend prächtiger Konsumstimmung der Verbraucher und guter Umsatzzahlen im Einzelhandel.

Bernhard Franke, ver.di-Verhandlungsführer in Baden-Württemberg, forderte Kaufland dazu auf "seinen Einfluss im Arbeitgeberverband auszuüben, damit bald ein abschlussfähiges Angebot vorgelegt wird und der Tarifkonflikt endlich gelöst werden kann." Im Hinblick auf weitere Streikaktivitäten kündigte Franke an: " Wir werden die Streiks nun noch verstärken und ausweiten, damit die Arbeitgeber begreifen, ihre Hinhaltetaktik macht keinen Sinn!"

Landesweit sind heute insgesamt 800 Einzelhandelsbeschäftigte in ganztägigen Ausstand getreten. Zum Streik aufgerufen wurden heute Beschäftigte von Betrieben im Raum Mannheim-Heidelberg, Raum Stuttgart mit Umgebung, Heilbronn und Umgebung, Karlsruhe, Pforzheim, Region Fils-Neckar-Alb, Konstanz, Tuttlingen und Singen.
Neben Kaufland finden heute Streiks auch bei Betrieben von H&M, COS, Esprit, Zara, Primark und OBI statt.

In der laufenden Tarifrunde verhandeln ver.di und der Handelsverband Baden-Württemberg über Erhöhungen der Gehälter, Löhne und Ausbildungsvergütungen für die rund 490.000 Einzelhandelsbeschäftigten im Land.

Der bisherige Tarifvertrag wurde von ver.di zum 31. März 2019 gekündigt.

ver.di fordert

  • Erhöhung der Löhne und Gehälter um 6,5 %, mindestens 163 €
  • Anhebung der Ausbildungsvergütungen um monatlich 100 €
  • Tarifliches Mindesteinkommen von 2.100 €
  • Vereinbarung einer Vorteilsregelung für ver.di-Mitglieder in Höhe von einem Prozent des individuellen jährlichen Bruttoentgeltes
  • Laufzeit: 12 Monate
  • Beantragung der Allgemeinverbindlichkeit

Die Arbeitgeber bieten bisher bei einer Laufzeit von 24 Monaten folgende Erhöhungen an:

  • 1,7 % für das Jahr 2019
  • weitere 1,2 % für das Jahr 2020
  • entsprechende Anhebungen für Auszubildende

Das Arbeitgeberangebot wurde von ver.di als viel zu niedrig zurückgewiesen.

Die vierte Verhandlungsrunde findet am 8. Juli in Stuttgart-Weilimdorf statt.